LdL an der Förderschule – erstes Fazit

LdL an der Förderschule – erstes Fazit

Die ersten Wissensvermittlungen sind geschafft und es war vor allem eins: unglaublich interessant und lehrreich!

Der Einsatz Lernen durch Lehren an der Förderschule unterscheidet sich in einigen Aspekten stark von meinen Erfahrungen am Gymnasium, viele Dinge ähneln sich wiederum. Aber fangen wir mal von vorne an…

Die SuS haben in Zweier-Teams ihre Inhalte (erst mal nur einzelne Wörter) so aufbereitet, dass die Vokabeln dem Rest der Klasse beigebracht werden konnten. Dabei hatten die Kinder folgende Ideen:

  • Schnitzeljagd im Klassenzimmer und Flur mit Hinweisen zum Wort
  • versteckte Puzzleteile, die das Bild des vorgestellten Tiers ergaben
  • Pantomime
  • Quiz

An Kreativität mangelte es nicht, im Gegenteil. Außerdem setzten alle Kinder die classroom phrases gezielt ein, die Aufmerksamkeit stieg mit jeder weiteren Wissensvermittlung und man konnte vor allem bei einzelnen SuS den Zuwachs an Mut und Selbstvertrauen bereits in den ersten Stunden beobachten.

Jedoch fühlten sich viele Lerner:innen vor allem mit der Selbstorganisation überfordert, was ich gut nachvollziehen kann. Es war für mich als Lehrkraft extrem herausfordernd, allen Teams bei der Erstellung ihrer Pläne zu helfen. Wie immer ließ ich bewusst Fehler geschehen, aus denen dann alle lernen können.

Ich biete den SuS während der Vorbereitungsphase nur Vorschläge und Tipps und versuche, möglichst wenig in die Struktur einzugreifen. Mit jedem weiteren Mal verbessert sich die Qualität der Wissensvermittlungen automatisch, man muss es nur zulassen! Aus jedem Fehler lernt die gesamte Gruppe!

Gerade am Anfang von LdL ist es wichtig, den Schülern freie Hand zu lassen. Ein Beispiel: Ein Team wollte sich partout keinen Plan aufschreiben. Ich rate immer dazu, da es sonst vor der ganzen Klasse schnell zur Überforderung kommt – was wollte ich gerade nochmal machen? Ich wusste natürlich, dass es so nicht funktionieren würde, die Kinder sollten diese Erfahrung aber unbedingt in unserem geschützten Rahmen selbst machen. Als das Team aufgrund des fehlenden Plans während seiner Wissensvermittlung an seine Grenzen kam, griff ich ein und fragte: „Was hätte euch denn jetzt geholfen?“ Die Frage durfte dann aber ein Kind aus der restlichen Lerngruppe beantworten und nochmal weitergeben und von einem weiteren Kind beantworten lassen. So funktioniert LdL nämlich: ALLE denken mit, auch wenn sie selbst nicht direkt betroffen sind. Schließlich sollen wir alle gemeinsam aus Fehlern lernen – auch ich als Lehrkraft. So wurde sich die gesamte Lerngruppe einig darüber, dass ein Plan eine Hilfe darstellt und hat dies ganz anders verinnerlicht, als wenn ich es ihnen einfach vorgeschrieben hätte.

Die Feedbackrunde

Nach jeder Wissensvermittlung gibt es eine Feedbackrunde. Schon während die Teams ihr Wissen weitergeben, notiere ich mir auf einer +/- – Liste alles, was ich gut fand und was man besser machen könnte. Im Anschluss gebe ich die Feedbackrunde an die Klasse ab: „Was war gut? Was kann man besser machen?“

Der Umgang mit Feedback ist eine Schlüsselkompetenz, die viel zu wenig gefördert wird. Wir üben das wirklich intensiv!

Die SuS sollen:

  • Kritik konstruktiv formulieren.
  • Konstruktive Kritik annehmen.
  • Kritik gezielt umsetzen.
  • Verstehen, dass sie mit ihrer Kritik den anderen nicht schaden, sondern helfen.
  • Gemeinsam aus Kritik lernen.

Ganz schön viel und anspruchsvoll!

Zu Beginn sah die Kritik so aus:

„Was habt ihr gut gemacht?“ – „Die anderen haben gut zugehört.“

„Was hätte das Team besser machen können?“ – „Nichts.“

Es fällt den meisten Kindern (und Erwachsenen?) schwer, sich selbst zu loben. Und das noch vor anderen! Eine ebenso große Hürde stellt das Kritisieren von Mitschüler:innen dar. Im LdL-Unterricht lernt man, konstruktive Kritik als selbstverständlich anzusehen. Die Angst vor Fehlern schwindet mit der Zeit, denn wir nutzen sie als Hilfe. Jeder macht Fehler, „sogar“ wir Lehrer:innen und meine früheren LdL-Gruppen haben auch in Lehrbüchern zahlreiche Fehler entdeckt. Diese findet man jedoch nur, wenn man genau hinsieht, die Inhalte reflektiert und sich eine eigene, reduzierte Wissensvermittlung daraus bastelt.

So weit sind wir noch lange nicht, doch wie bereits erwähnt, ist mein primäres Ziel von LdL an der Förderschule die Förderung des Selbstbewusstseins und in diesem Bereich konnten wir in kürzester Zeit bereits Fortschritte erzielen.

Kurz und knapp noch mein erstes, vorsichtiges Fazit zum Einsatz von LdL an der Förderschule:

Ich verlange extrem viel von den Kindern und muss dabei vorsichtig und langsam vorgehen, mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Im Fokus steht die Förderung von Schlüsselkompetenzen, von denen die Lerngruppe in sämtlichen Bereichen profitieren kann. Dies ist bereits nach kurzer Zeit ersichtlich. Es ist ein schmaler Grat zwischen Überforderung und Motivation. Es kostet mich viel Energie, aber die Fortschritte überzeugen mich. Wir lernen alle dazu. Und: Es macht uns Spaß!

Leider sehe ich die Lerngruppen jeweils nur einmal pro Woche, aber dafür klappt es richtig gut. Je öfter man LdL-Unterricht hat, umso schneller wird das Prinzip verinnerlicht. Aber wer weiß, wie es nach den Ferien weitergeht. 🙂

LdL an der Förderschule – die zweite Stunde

LdL an der Förderschule – die zweite Stunde

Die Vorbereitung beginnt

Nach der mehr als zufriedenstellenden Einführung in LdL haben beide Lerngruppen die Vorbereitung ihrer Inhalte hinter sich gebracht, worüber ich kurz berichten möchte.

Da der Unterrichtsstoff von Zweier-Teams erarbeitet wird, bekommen die Schüler:innen im Unterricht Zeit für die Vorbereitung ihrer Wissensvermittlungen. Dies hat mehrere Vorteile:

  • Die Kinder müssen sich nicht außerschulisch zur Vorbereitung treffen (sehr unrealistisch und wegen Corona sowieso ausgeschlossen)
  • Die Lehrkraft hilft bei der Vorbereitung. Am Anfang sehr intensiv, nach ein paar Wochen wird man von den Teams weggeschickt. 🙂
  • Die Lehrkraft kann grobe Planungsfehler im Vorfeld verhindern und den Ablauf der Wissensvermittlung mitsteuern.

Ich gebe zu, dass am Anfang viel Zeit für die Vorbereitung draufgeht, aber diese Zeit muss man den Teams geben. Die Geduld zahlt sich aus, mit der Zeit werden die Schüler:innen routinierter.

Da wir erst mal die Methode an sich trainieren müssen, besteht der Unterrichtsstoff in unserem Fall aus einfachen Vokabeln, nämlich Tieren. Jedes Team bekommt nur eine Vokabel, ich will eine Überforderung unbedingt vermeiden.

Bevor die Kinder sich ans Werk machen durften, haben wir noch Ideen zur Vokabeleinführung gesammelt. Klingt alles erst mal ziemlich einfach, aber ich verlange ganz schön viel von den Viertklässler:innen! Wir Lehrkräfte lernen dies alles im Studium und im Referendariat, jetzt soll meine Englischklasse den Unterricht auf einmal selbst gestalten.

Wieder einmal überraschen mich die Schüler:innen, und das in beiden Gruppen! Die Teams arbeiten super zusammen, haben tolle Ideen und besorgen sich fleißig Materialien für ihre Wissensvermittlung. Am Laptop werden mit meiner Hilfe kleine Powerpoint-Präsentationen erstellt und Bilder gedruckt, sogar eine Schnitzeljagd und ein Puzzle werden gebastelt. Ein Glück, dass unsere Referendarin dabei war, denn Geduld gehört nicht unbedingt zu den Stärken aller Kinder und ich komme kaum hinterher, vom einem Team zum anderen zu springen.

Die Teamarbeit klappt erstaunlich gut und es mangelt nicht an Kreativität. Da an Förderschulen in der Regel vermehrt auf ein soziales Miteinander geachtet wird und die Kinder oft frei arbeiten dürfen, war dies vielleicht zu erwarten. Dennoch hat es mich gefreut, was die Klasse mir sicher angemerkt hat. Ich war seit langem mal wieder selbst im Flow!

Nun kommen wir aber noch zu den Herausforderungen. Wa sich für alle Teams als unglaublich schwierig herausstellte, war die konkrete Planung ihrer Wissensvermittlung. Wie beginnen wir? Wer macht was? Was ist unser Ziel? Wie binde ich die anderen mit ein? Die Überforderung war deutlich spürbar und ich konnte nur schwer erklären, was ich damit genau meinte; schließlich hatte noch niemand von ihnen jemals eine LdL-Einheit gesehen.

Ich animierte die Teams also dazu:

  • die einzelnen Schritte nochmal miteinander zu besprechen (zu schwierig)

und

  • sich einen Plan aufzuschreiben (klappte bei den meisten gut) .
Die Zeichnungen stellen einen Plan dar.
Die Vokabeln müssen visualisiert werden. Ob auf Schildern, an der Tafel oder in einer PPP ist den Teams überlassen.

Hier besteht also definitiv noch Handlungsbedarf, doch ich wollte noch die ersten Wissensvermittlungen abwarten und mir dann etwas überlegen. Die Stunde war vorbei, alle Einheiten waren vorbereitet und wurden im Klassenzimmer verstaut.

Die LdL-Entwicklung bis hierhin möchte ich den Worten eines Schülers überlassen

1. Stunde:

Frau Cau: Ab heute machen wir Englisch!

Schüler: Oh nein! Ich hasse Englisch!

Frau Cau: Wir machen etwas ganz Besonderes, das heißt LdL.

Schüler: Mir egal, ich werde kein Wort sagen. (schweigt die ganze Stunde).

2. Stunde:

Schüler kann alle classroom phrases, betont aber, dass er gaaar nicht geübt hat.

Ende der Stunde.

Frau Cau: Nächstes Mal geht’s dann richtig los!

Schüler: Was? Ich will aber gleich anfangen! Wir müssen jetzt LdL machen! (ist beleidigt und redet nicht mehr mit mir.)

Ldl an der Förderschule – die erste Stunde

Ldl an der Förderschule – die erste Stunde

Die Voraussetzungen

Ich habe Glück, denn ich bin momentan zur Unterstützung in einer 4. Klasse eingesetzt. Das bedeutet: Trotz der aktuellen Situation darf ich mit Schüler:innen vor Ort zusammenarbeiten. Die Klasse ist mit 16 Schüler:innen sehr groß, die Teilung aufgrund des Wechselunterrichts ist für LdL am Anfang jedoch kein Nachteil. Ich mache erst mal alles doppelt, habe mir einen genauen Plan gemacht, wann Gruppe A oder B da ist und was wir dann machen. Gar nicht so einfach, jede Woche läuft es anders. Aber machbar! Gerade die ersten Stunden sind wahnsinnig anstrengend und anspruchsvoll, es gibt viel Input und die Köpfe rauchen – mit weniger Schüler:innen kann ich noch besser auf deren Bedürfnisse eingehen.

Die Schule an der Altmühl ist ein Sonderpädagogisches Förderzentrum. Das heißt, wir sind spezialisiert auf die Förderschwerpunkte Lernen, Sprache und emotional-soziale Entwicklung. Jedes Kind hat einen anderen Förderbedarf und es ist unglaublich wichtig für einen funktionierenden Unterricht, so individuell wie möglich auf alle einzugehen. Die Stimmung in beiden Gruppen ist meist recht harmonisch, es besteht ein sehr gutes Verhältnis zur Klassenleitung und auch ich kenne die Schüler:innen größtenteils schon länger. Schade ist nur, dass nicht alle regelmäßig am Präsenzunterricht teilnehmen, meistens sind es dann nur 7 von 8 Kindern in einer Gruppe.

Die technische Ausstattung ist hervorragend. Im Klassenzimmer steht ein Smartboard mit PC, der an den Drucker angeschlossen ist und wir haben Ipads zur freien Verfügung.

Die Englischkenntnisse sind bei den meisten Kindern so gut wie nicht vorhanden, was der Unterrichtssituation geschuldet ist, für die niemand was kann – wir starten einfach nochmal bei zero.

Die Vorgehensweise

Da ich dank meiner LdL-Erfahrung als Schülerin und Studentin, aber auch als Gymnasiallehrerin mittlerweile sehr routiniert bin, beschloss ich, mich auch an der Förderschule an das übliche Schema zu halten.
Das bedeutet für die genaue Vorgehensweise:

  1. Was ist LdL? – Einführung in die Theorie (stark vereinfacht)
  2. Classroom phrases –Unser Werkzeug
  3. Teambildung- Zuteilung fester Zweiergruppen
  4. Verteilung der Lerninhalte – einfache Vokabeln
  5. Ideensammlung zur Vokabeleinführung – SuS werden Lehrer:innen
  6. Vorbereitung – Teams bereiten ihre Stoffvermittlung vor
  7. Stoffvermittlung – Es geht los!

In beiden Gruppen habe ich in 60 Minuten die Punkte 1-4 geschafft – mehr als gedacht. Da Englisch nicht zu den beliebtesten Fächern der Klasse zählt, wollte ich möglichst motivierend starten und erklärte gleich zu Anfang, dass wir jetzt etwas ganz Besonderes machen, dass ich im Internet darüber schreiben werde und unser Schulleiter Herr Krigers uns besuchen wird. Vielleicht schaffen wir es ja sogar auf die Homepage oder in die Zeitung? Ich erzählte vom Erfinder von LdL, Jean-Pol Martin, der mindestens so alt ist wie die Opas der Kinder und fleißiger twittert und auf Facebook postet als jeder coole junge Lehrer hier an der Schule. 🙂 Vielleicht können wir ja mal mit ihm skypen? Das Interesse war schnell geweckt, das Staunen war groß aber ganz ehrlich gesagt – meine eigene Aufregung war wohl am Größten!

  1. Was ist LdL? Einführung in die Theorie

Für alle meine Schüler:innen, egal ob am Gymnasium oder an der Förderschule, sollen die gleichen Regeln gelten, was LdL betrifft. Wieso sollten sich Kinder für eine Unterrichtsmethode begeistern, wenn sie gar nicht wissen, was sie im Endeffekt davon haben? Natürlich werde ich Viertklässler nicht mit Auszügen aus einem wissenschaftlichen Aufsatz überfordern, aber ich beginne mit einer stark vereinfachten Version der LdL-Theorie. Kurz und knapp nach dem Motto „Mit LdL fällt es deinem Gehirn leichter, sich Sachen zu merken“. Warum das so sein soll, haben wir mithilfe einer Powerpoint-Präsentation besprochen und mussten dabei zunächst etwas ganz Grundlegendes klären!

Den Kindern war gar nicht klar, warum ein Lehrer so heißt, wie er nun mal heißt und was das Wort „lehren“ überhaupt bedeutet. Und ich bin mir sicher, dass geht nicht nur dieser Klasse so, mir ist es bisher nur nicht aufgefallen! „Lehrer“ ist eines dieser Wörter, dass die Schüler:innen täglich hören und anwenden, aber nicht über dessen Bedeutung nachdenken – wozu auch? Es wird ja nie hinterfragt. Ich stelle mich am ersten Schultag vor die Klasse und stelle mich vor mit „Hallo, ich bin Frau Cau, eure Lehrerin“, aber gehe nicht näher darauf ein, was genau eigentlich meine Aufgabe ist. Das werde ich in Zukunft auf jeden Fall anders machen.

Damit man sich ein bisschen besser vorstellen kann, wie ich die wichtigsten Inhalte aus der Theorie vereinfacht erklärt habe, sind hier ein Auszug aus meiner PPP:

Anhand von Beispielen aus der Praxis habe ich versucht, den Kindern die Methode näher zu bringen und vor allem die Vernetzung und den Rollenwechsel darzustellen:

Alle machen mit! – Du darfst Lehrer sein!

2. Classroom phrases – Unser Werkzeug

Der zweite Teil der Stunde drehte sich um die Einführung der Classroom phrases. Mithilfe der PPP haben wir die Sätze visualisiert, jeder Satz hat ein eigenes Symbol.

Wir sprachen die classroom phrases im Chor und übten die Aussprache, manche Schüler:innen trauten sich schon, die Sätze alleine vorzutragen. Außerdem bekamen die SuS ein Arbeitsblatt, um die Sätze zu verschriftlichen und als Hausaufgabe zu lernen.

Als zusätzliche Hilfe bekommt jedes Kind noch eines Spickzettel auf den Tisch und ich habe die Symbole vergrößert und nutze sie als Bildkarten. Sobald z.B. ein Schüler sagt „Hä? Check ich nicht!“, zeige ich das Symbol mit dem Fragezeichen und er soll stattdessen „I don’t understand“ sagen.

Die Sätze brauchen wir im LdL-Unterricht ständig. Sobald sie von der Klasse sicher beherrscht werden, kommen neue dazu. Früher habe ich gleich mehrere auf einmal eingeführt, aber jetzt gehe ich lieber langsam vor und will eine Überforderung vermeiden. Das Einüben hat erstaunlich gut geklappt und die Kinder haben ihre anfänglichen Ängste schnell verloren. Wir üben die Sätze immer wieder zwischendurch, indem ich die Karten hochhalte – dazu gibt es immer einen passenden Anlass und wir wenden sie somit also situationsgerecht gleich an.

3. Teambildung- Zuteilung fester Zweiergruppen

Ich empfehle, die Partner als Lehrkraft zuzuteilen, wenn man die Lerngruppe gut kennt. In meinem Fall habe ich dies gemeinsam mit der Klassenleitung gemacht. Mit Zweiergruppen habe ich die besten Erfahrungen gemacht, da drei Kinder vor der Klasse einfach zu viel sind. Es ist anfangs schon schwierig genug, sich mit einem Partner abzusprechen und die „Arbeit“ aufzuteilen. Die Teams schreibe ich mir immer gleich auf, dann gibt es später keine Diskussionen und ich kann es mir so ganz einfach auch besser merken.

4. Verteilung der Lerninhalte – einfache Vokabeln

Normalerweise würde ich jetzt den gesamten Stoff der nächsten Lektion auf die einzelnen Teams aufteilen – das ist jetzt anders. Ich habe mich für ganz einfache, einzelne Vokabeln entschieden und werde den Anspruch der Inhalte langsam steigern. Schließlich lernen die SuS jetzt schon ganze Classroom phrases und sollen sich erstmal mit LdL vertraut machen. Ich habe also Tiervokabeln verteilt und in den letzten Minuten haben sich die Teams schon mal Gedanken gemacht, wie sie ihre Vokabel denn der Klasse beibringen könnten.

Das war die erste Stunde und verlief in beiden Gruppen ganz ähnlich ab. Wir haben mehr geschafft, als gedacht!

Lernen durch Lehren an der Förderschule

Lernen durch Lehren an der Förderschule

Eine Unbekannte?

Lernen durch Lehren nach Jean-Pol Martin ist in der Sonderpädagogik kaum jemandem ein Begriff, das musste ich bereits des Öfteren feststellen. Es mag viele Gründe dafür geben und irgendwann komme ich sicherlich noch darauf zurück, doch ich beschränke mich zunächst aufs Wesentliche und komme direkt zum eigentlichen Thema. Als Mutter eines einjährigen Kindes, das gefühlt nie schläft, ist die freie Zeit begrenzt und deshalb nutze ich die nächsten Minuten gezielt, um meine Leser:innen auf mein neues, längst überfälliges Projekt aufmerksam zu machen:

LdL an der Förderschule im Englischunterricht

In den letzten Jahren konnte ich an meinem Förderzentrum Schule an der Altmühl in Eichstätt vor allem dank der Unterstützung meiner tollen Kolleg:innen verschiedenste Erfahrungen sammeln und fühle mich nun sicher genug, Altes mit Neuem zu verknüpfen und endlich meine absolute Herzensmethode LdL auch mit Förderschülern auszuprobieren. Schließlich habe ich es genau dieser Methode bzw. ihrem Erfinder und meinem Mentor Jean-Pol Martin zu verdanken, dass ich überhaupt Lehrerin geworden bin. Als ich kürzlich von Simon Kolbe angefragt wurde, einen Artikel für das nächste Handbuch zu verfassen, habe ich mich gleich an die Arbeit gemacht und erste Pläne ausgeheckt – schließlich brauche ich ja aktuellen Stoff, über den ich schreiben kann!

Zielsetzung

Ich habe mich dazu entschieden, den Fokus auf die Förderung des Selbstbewusstseins zu legen. Unsere Schüler:innen haben häufig mit Vorurteilen zu kämpfen oder an der Regelschule schlechte Erfahrungen gemacht. Viel zu oft berichten sie von demotivierenden Aussagen anderer, die sie traurig stimmen und sich auf ihr Verhalten auswirken.

Ich wünsche mir, dass unsere Schüler:innen sich trauen, laut zu werden. Ganz selbstverständlich sollen sie laut für ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele einstehen; sich nicht kleinmachen gegenüber anderen und stolz auf sich selbst sein. Sei es in der Schule, in der Familie, im Freundeskreis oder später im Beruf.

Es geht also nicht darum, die englische Grammatik und Aussprache perfekt zu beherrschen, sondern den Mut zu haben, vor einer ganzen Gruppe Englisch zu sprechen. Mit dem Einsatz von LdL bekommen die Schüler:innen die Möglichkeit, sich sämtliche Schlüsselkompetenzen anzueignen.

Wer sich genauer dafür interessiert, aber wenig Zeit habt, der kann sich gerne hier im Blog einlesen oder meinen Artikel, erschienen in der Fachzeitschrift Pädagogik im Jahr 2015, downloaden.

Zunächst geht es also darum, LdL als Methode kennenzulernen, zu üben und dann zu beherrschen. Die englische Sprache ist unser Werkzeug, Classroom Phrases sind unsere Bausteine. Während die Klasse unter meiner Anleitung LdL übt, läuft das Englischlernen quasi nebenbei, fast unbemerkt. Wenn LdL einmal „sitzt“, ist es ein Selbstläufer und die zu vermittelnden Inhalte werden anspruchsvoller. Doch ich will jetzt nicht zu sehr in die Theorie kommen…

Ab sofort werde ich hier regelmäßig über LdL an der Förderschule berichten und ich kann nur so viel verraten:

Es kommt immer anders, als man denkt. 🙂

LdL-Mooc und noch ein paar Dinge…

LdL-Mooc und noch ein paar Dinge…

LdL mit dem Referendariat zu verbinden, ist schon eine Herausforderung. Ich will ja nicht nur meine Schüler nach dieser Methode unterrichten, sondern möglichst viel dafür tun, LdL zu verbreiten und andere Lehrkräfte zu coachen. Die Struktur des Referendariats macht dies nahezu unmöglich, und so zähle ich die Tage, bis es endlich vorbei ist, nämlich 268 Tage 😀 . Deshalb möchte ich mich auch gleich dafür entschuldigen, dass ich momentan nicht so aktiv bin, wie ich es gerne wäre.

Trotzdem gibt es tolle Neuigkeiten.

Am 23. Juni werden Referendare mit ihren Seminarlehrern und Direktoren meinen Unterricht besuchen und sogar Jean-Pol Martin wird extra an meinen Einsatzort kommen, um anschließend an die Hospitation eine Diskussion mit den Teilnehmern und mir zu führen. Hierfür wird auch die Presse eingeladen (je mehr „Werbung“, umso besser).

Immer mehr Kollegen interessieren sich für diese Methode und so wurde mir angeraten, LdL auch in meiner Anfängerklasse im Spanischunterricht durchzuführen, was ich gleich diese Woche gestartet habe. Das wird besonders interessant, da sich die Schüler im 1. Lernjahr befinden. Eine Referendarin wird LdL ab sofort im Mathe-Unterricht einführen und zufällig sind einige Schüler aus meiner LdL-Klasse dabei, die sich sehr über den Methodenwechsel freuen und als Experten fungieren können.

Für das Wintersemester 2015 wurde mir diese Woche ein Lehrauftrag angeboten, ich werde tatsächlich ein Profilmodul in der romanistischen Fachdidaktik bekommen – und zwar zu Lernen durch Lehren! Damit wird ein Traum für mich wahr. Jetzt fehlt mir nur noch eine Schule, die mir eine Klasse für die Promotion gibt (es sind schon drei im Gespräch, mein Favorit ist jedoch meine jetzige Einsatzschule). Mal sehen, was die Zukunft bringt!

Am 23. Mai werde ich in einem Live-Hangout ein Interview im Rahmen des LdL-Moocs geben und freue mich über viele Zuhörer und Fragensteller!