Kurzer Zwischenbericht

Kurzer Zwischenbericht

Nächste Woche schreiben wir die erste Schulaufgabe nach LdL und ich bin jetzt schon auf das Ergebnis gespannt. 

Zur Klasse

Die Klasse hat weiterhin Spaß an Ldl und möchte unbedingt weitermachen. Die Ldl- Einführungen für die 2. Lektion sind abgeschlossen und die nächsten drei Stunden werden wir dazu nutzen, für die Schulaufgabe zu üben. Dabei werde ich versuchen, die Übungen von Schülern leiten zu lassen.

Feedback aus dem Kollegium

Überraschenderweise war meine Fachschaftsbetreuerin so begeistert von meiner Ldl-Stunde, dass sie ab sofort mit ihrer 6. Klasse selbst auf Ldl umsteigt. Dazu bat sie mich um Tipps und ich schicke ihr heute noch ein paar Materialien! Das wurde auch in der gestrigen Fachsitzung erwähnt, meine Direktorin versorgte mich dann gleich mit zusätzlichem Material aus ihrer Ldl-Zeit. Ich bin also an der richtigen Schule gelandet! 

Außerdem haben sich zwei weitere Lehrer (Fremdsprachen, Deutsch und Geschichte) für Hospitationen in meiner Klasse angemeldet. Das freut mich natürlich sehr und ich bin immer dankbar für konstruktive Kritik. So fiel zum Beispiel meiner Fachschaftsbetreuerin auf, dass man die Sitzordnung noch optimieren könnte, um die Tische schneller umzustellen. Das habe ich gleich heute umgesetzt und es klappt wirklich besser.

Und schließlich habe ich heute noch grünes Licht von der Fachschaft dafür bekommen (bzw. die Anregung), dass ich in meiner 10. Klasse auch Ldl machen sollen, was ich in zwei Wochen nach der Schulaufgabe auch starten werde.

 

Es läuft…

Es läuft…

… vor sich hin. 

Letzte Woche war die Fachbetreuerin zu Gast und hat sich das ganze mal angesehen. Auf das Feedback warte ich noch, bin aber schon sehr gespannt. Nach der Stunde meinte sie nur „Das hat mir sehr gut gefallen, aber ich bewundere Ihre Geduld.“ 

Geduldig muss man tatsächlich sein, denn man sollte die Schüler bei kleineren Fehlern nicht sofort unterbrechen. Ich habe mir angewöhnt, Fehler mitzuschreiben und erst danach darauf hinzuweisen (außer bei groben Fehlern).

In der übernächsten Stunde werde ich eine Ex schreiben, das Ergebnis wird mir zeigen, ob LdL tatsächlich so gut läuft, wie es scheint. Eine Woche später dann die Schulaufgabe, wenn wir unseren Schnitt einigermaßen halten können, bin ich durchaus zufrieden.

FLOW FLOW FLOW

FLOW FLOW FLOW

Zunächst ein kurzes Resümee der vorletzten Stunde: Diese verlief sehr gut, die Gruppen waren gut organisiert und hatten zur Worterklärung sogar Bilder am PC ausgedruckt. Die Klasse stellte viele Fragen und alle waren zufrieden. Eine Stunde, über die ich nichts negatives sagen kann – gerade für die Anfangsphase, in der wir uns befinden.

Und nun zur heutigen Stunde:

WOW!

Heute haben meine Schüler eine unglaubliche Leistung hingelegt! 

Drei Schülerinnen, im Unterricht zwar aktiv, aber eher ruhig, sollten die Durchnahme einer Verbkonjujation (recevoir) übernehmen. Als sie beginnen wollten, herrschte leichte Unruhe in der Klasse (6. Stunde). Ich hatte den Schülern zuvor schon einmal gesagt, dass sie erst sprechen sollten, wenn die Klasse komplett ruhig ist – bisher hatte immer ich für diese Ruhe gesorgt.

Silence!

Doch dies musste ich nicht tun, denn dafür sorgte die Schülerin mit einem lauten „Silence!“ selbst. Die Klasse war so verblüfft, dass es sofort ruhig war. Sobald im Laufe der Stunde auch nur leichte Unruhe aufkam, wurde diese sofort von einer der drei Schülerinnen laut und bestimmt unterbunden.

Der Ablauf

Die Gruppe ließ die Bedeutung des Verbs anhand eines gezeichneten Briefkastens erraten: „empfangen“. Anschließend wurde eine Überschrift und eine Tabelle angezeichnet, welche die Klasse ins Heft kopierte. Als Aufgabe sollten die Schüler in Partnerarbeit die richtigen Formen erraten mit einer Zeitangabe (!) von zwei Minuten. Nur zur Info: Die Zeitangabe ist das, was die meisten Referendare in ihren ersten Lehrversuchen vergessen, also bei weitem nicht selbstverständlich für diese 7. Klasse.

Während dieser Phase gingen zwei der Schülerinnen umher und kontrollierten, ob die Arbeitsaufträge ausgeführt wurden. Zudem beobachtete ich, dass sie Hilfe leisteten und die Schüler dazu aufforderten, Französisch zu sprechen. 

Danach wurde die Tabelle vervollständigt und einzelne Schüler schrieben die Formen an die Tafel. 

Fazit

Die ganze Stunde verlief komplett auf Französisch! Und es gab Standing Ovations für die Schülerinnen. 🙂 So konnte ich sozusagen im Flow das Klassenzimmer verlassen und ich hoffe, meine Schüler auch.

Feedback

Hier möchte ich auch einmal kurz erwähnen, dass jede einzelne Gruppe von mir und der Klasse ein Feedback bekommt. Die Schüler, oder besser gesagt wir Menschen generell, neigen dazu unsere Leistung falsch, bzw. oft zu negativ einzuschätzen. Diese Feedbackrunden finde ich sehr wichtig, da hier nochmal gezielt gelobt wird (vor allem von den Mitschülern) und man Fehler direkt besprechen kann. Bisher wurde noch kein angesprochener Fehler von einer anderen Gruppe wiederholt. Zudem soll das Feedback den Schülern Selbstbewusstsein und Sicherheit verleihen.

 

Tag 3: Ich liebe meine Schüler :)

Tag 3: Ich liebe meine Schüler :)

Am dritten LdL-Tag musste ich zunächst einmal die 1. Schulaufgabe herausgeben (mit einem sagenhaften Schnitt !). Diese war nicht besonders leicht, doch meine Klasse meisterte sie mit Bravour. Trotzdem wurden ein paar Tränen vergossen, was aber auch zeigt, wie ehrgeizig die Schüler sind. Im Großen und Ganzen waren aber alle zufrieden und zumindest konnte jeder, was mir noch viel wichtiger ist, seine Note nachvollziehen.

Nach der Besprechung der Schulaufgabe war noch etwas Zeit übrig, die ich für eine Feedback-Runde über die letzte LdL-Einheit nutzte. Zunächst bat ich die beiden Schülerinnen selbst, ihre Einführung kritisch zu reflektieren. Sie stellten noch einmal das Problem der Semantisierung dar und die eine Schülerin gab zu, dass es ihr schwer fiel, das wiederzugeben, was sie sagen wollte.

Da meldete sich die Klassenbeste, die in der ersten Stunde mit ihrem Können glänzte, und sagte: „Das ist doch überhaupt nicht schlimm, ich konnte das auch nicht so gut und wir machen das ja noch nicht lange.“ Dann meldeten sich weitere Schüler und bestätigten, dass sie das nicht schlimm finden und trotzdem alles verstanden hatten (ich war also zu kritisch).

Dann fragte ich noch einmal die gesamte Klasse nach ihrer Meinung und es meldete sich eine Schülerin mit den Worten: „Ich fand es sehr gut, dass zuerst die Wörter und dann der Text eingeführt wurden. So ist es einfach zu verstehen.“ Dieses wichtige, gut umgesetzte Detail hatte ich also auch übersehen. Und zum Abschluss bemerkte eine Schülerin, dass es schade war, dass von Schülerin 2 so wenig beigetragen wurde.

Im Anschluss hatten wir noch Zeit, die eingeführten Textabschnitte noch einmal zu lesen, was von zwei Schülern übernommen wurde, die sich freiwillig gemeldet hatten. Wieder bekamen die Moderatoren die volle Aufmerksamkeit der Klasse, Fehler wurden bemerkt und verbessert und die beiden mit einem Applaus belohnt.

Fazit:

Ich liebe meine Klasse! Sie gehen so respektvoll miteinander um und haben das Prinzip von LdL von Anfang an verstanden. So etwas wie auslachen oder bloßstellen gibt es in dieser Klasse nicht, im Gegenteil: Sie sprechen sich gegenseitig Mut zu. Und dass, obwohl es sich um eine Mischklasse aus drei Klassen handelt, die in diesem Schuljahr zum ersten Mal so zusammengewürfelt wurde.

Tag 2: Ein Auf und Ab

Tag 2: Ein Auf und Ab

Da die erste Stunde bombastisch lief, erwartete ich mir nicht allzu viel von der zweiten – meistens ist es doch ein Auf und Ab (dies trifft übrigens auch auf alle anderen Lebensbereiche zu 😉 ).

Die nächste Gruppe, bestehend aus zwei Schülerinnen, begann mit der Einführung ihres Teils des Lektionstextes. 

Die Semantisierungsphase

Die Semantisierung (Einführung der neuen Vokabeln) bildete den ersten Schritt der Textarbeit. Dazu hatten sich die beiden Schülerinnen unbekannte Wörter herausgesucht und auf Folie geschrieben. Zu jedem Wort hatten sie einen französischen Satz oder ein Bild vorbereitet, was an sich sehr vorbildlich ist, denn sie mussten nur in einem (!) Beispiel auf das Deutsche zurückgreifen. 

Aber…

… es gab zwei Probleme bei der Einführung. Zum einen hatten die beiden Mädchen viel zu viele Vokabeln herausgesucht, so dass ich sie nach dem zehnten Wort unterbrach. Ich forderte eine der beiden auf, die Klasse zu fragen, welche der ausgewählten fünfzehn Wörter nicht extra erklärt werden müssen. Gemeinsam beschlossen die Schüler, zehn Wörter zu streichen. Das hat mich doch etwas überrascht, denn sie wollten z.B. das Wort triste (=traurig) aus der Liste nehmen, weil ich es ihnen am Schuljahresanfang schon einmal kurz erklärt hatte ( Bonuspunkt für mich, denn sie hatten es sich anscheinend gemerkt.)

Das zweite Problem war, dass die eine Schülerin einen größeren Anteil der Moderation übernahm und die andere, sprachlich sehr gute Schülerin sich sehr schüchtern verhielt: So gab es immer wieder mal Verständigungsprobleme oder die Schülerin kam sprachlich nicht weiter. 

Die Texteinführung

Die Klasse wurde dazu aufgefordert, den Text in verschiedenen Rollen zu lesen. Fehler wurden sofort verbessert, wie auch schon beim ersten Mal. Anschließend wurden Fragen zum Text gestellt (nur zwei, was aber in Ordnung war aufgrund des Textinhaltes und der Qualität der Fragen) und diesen Mal sollten alle Schüler die Fragen und Antworten ins Heft mitschreiben.

Am Ende der Stunde schrieb ich die Hausaufgabe an die Tafel (Vokabeln lernen und den Text lesen).

Fazit:

Meines Erachtens nach war diese Stunde nicht besonders befriedigend und ich hatte zunächst Angst, sie würde auf die Schüler demotivierend wirken. Doch dies sollte sich am nächsten Tag (gottseidank) als falsch erweisen.

Die erste Stunde – Von Null auf Hundert

Die erste Stunde – Von Null auf Hundert

Am Montag nach den Herbstferien (in einer Doppelstunde) wurde die Klasse darüber informiert, dass sich der Unterricht ab sofort komplett ändern sollte. Nach einer kurzen Info über die Unterrichtsmethode LdL waren die Schüler noch etwas skeptisch, aber auch neugierig. Bevor die Schüler Fragen stellen durften, wurde zunächst die Sitzordnung geändert ( U-Form).

1. Änderung der Sitzordnung

Der erste Versuch, die Tische umzustellen, war etwas chaotisch und zu laut. Als die U-Form stand, bat ich die Schüler, die Tische noch einmal zurückzuschieben und wir übten die Umstellung noch einmal. Beim zweiten Mal klappte es bereits viel besser, schneller und leise. Da das Klassenzimmer mit Einzeltischen ausgestattet ist, erleichtert dies das Verschieben der Tische. Auf die Frage einer Schülerin, wieso die Klasse jetzt in U-Form sitzen soll, antwortete ein anderer Schüler: „Damit wir uns ansehen können, wenn wir miteinander sprechen!“ Somit war dies geklärt.

2. Die Basics

Im nächsten Schritt teilte ich der Klasse ein Merkblatt mit wichtigen französischen Sätzen zur Unterrichtskommunikation und zur Gestaltung der verschiedenen Phasen aus (Répète, plus fort, c’est à toi….). Des weiteren wies ich die Schüler auf die „Regeln“ hin und beantwortete ich Fragen zu LdL.

Die Regeln:

Notengebung: Die Notengebung erfolgt wie bisher (Rechenschaftsablagen, Unterrichtsbeiträge, Exen und Schulaufgaben).

Die Stoffverteilung: Die gesamte Lektion wird in kleinen „Häppchen“ auf Zweier- und Dreiergruppen verteilt. Die Gruppen, die den Text einführen, müssen drei Fragen zu ihrem Textabschnitt erstellen und die unbekannten Wörter semantisieren. Dabei sind ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Schüler, die sich um die Grammatik kümmern, haben die Aufgabe, einen Hefteintrag zu erstellen.

Die Unterrichtssprache: Die Unterrichtssprache ist Französisch, dies gilt auch für die Semantisierung und für die Hefteinträge. Da wir bisher schon fast ausschließlich Französisch sprachen, ist dies keine allzu große Umstellung für die Schüler.

Vernetzung: Es sollen immer so viele Schüler wie möglich einbezogen werden. Die ganze Klasse soll aktiviert sein, niemand soll sich langweilen. Wer nicht weiter weiß, fragt seine Mitschüler usw.

3. Die Vorbereitung

Der Lektionsinhalt wurde auf die 26 Schüler in kleinen Gruppen verteilt. Die Gruppen mit dem Lektionstext wurden von mir mit Folien und Folienstiften ausgestattet. Während der Vorbereitungsphase beobachtete ich die Schüler und gab ihnen Hilfestellung, beispielsweise bei der Formulierung der Grammatikregeln auf Französisch. Dabei wies ich gleich darauf hin, dass die Schüler die Grammatik so einfach wie möglich und mit den Wörtern, die sie schon kennen, erklären sollen. Ich war positiv überrascht, wie konzentriert und motiviert die Schüler ihre Arbeitsaufträge umsetzten, die Ergebnisse konnten sich auf den ersten Blick durchaus sehen lassen. Ich war zunächst skeptisch, ob die Zeit wirklich langt, doch es hat problemlos funktioniert.

Die erste Stoffvermittlung

Ich spreche bewusst von Stoffvermittlungen und nicht von Präsentationen, da es bei LdL nicht darum geht, etwas zu präsentieren, bzw. darzubieten. Vielmehr geht es darum, dass sich die Schüler das neue Wissen zunächst selbst aneignen, um es dann als Moderatoren den Mitschülern weiterzuvermitteln. So lesen sie beispielsweise den Lektionstext ja nicht selbst vor, sondern lassen ihn von den anderen vorlesen.

Für dieses erste Mal habe ich zwei besonders gute Schülerinnen gewählt, um der Klasse die Möglichkeiten von LdL aufzuzeigen und sie so zu motivieren. Eine von ihnen ist im Unterricht besonders still, doch sie machte wider Erwarten den Anfang und begann selbstbewusst damit, die Leserollen auf ihre Mitschüler zu verteilen. Da es die erste Stoffvermittlung war, wollte ich mich noch zurückhalten und nur bei größeren Problemen einschreiten, die Schüler sollten im Anschluss selbst über eventuelle Fehler reflektieren. Danach erklärten die Schülerinnen die neuen Vokabeln, dabei fragten sie in die Runde: Qui sait le mot … Abschließend stellte die Gruppe drei Fragen zum Text. Ich hatte keine hohen Erwartungen an diese erste Phase gestellt, doch ich wurde überrascht, die Klasse hatte das Prinzip sofort verstanden! Hier ein paar „Beweise“ dafür:

– als eine Schülerin etwas zu leise sprach, wurde sie aufgefordert, lauter zu sprechen.

– als eine Schülerin ein Wort falsch aussprach, wurde sie verbessert und aufgefordert, den Satz noch einmal zu wiederholen.

– als eine Schülerin ein Wort nicht verstand, fragte sie die Klasse nach dessen Bedeutung.

– die Gruppe hatte die Fragen zum Text auf Folie vorbereitet und Zeilen aufgezeichnet. Doch anstatt die Lösungen selbst aufzuschreiben, ließen die beiden Mädchen ohne einen Hinweis von mir ihre Mitschüler einzeln nach vorne kommen, um die Sätze auf Folie zu schreiben! Als dabei ein Akzent übersehen wurde, fragte die moderierende Schülern in die Klasse und der Fehler wurde korrigiert.

Ich fragte die Schülerinnen, ob die Klasse die Sätze mitschreiben sollen, was diese verneinten. Natürlich langweilte sich der Rest der Klasse dann etwas, auch wenn sie sich sehr diszipliniert verhielt. Kurz vor Ende der Stunde reflektierten wir die Stoffvermittlung gemeinsam und ein Schüler kam von selbst darauf, dass es besser sei, wenn alle mitschreiben. Genau das wollte ich erreichen: Wieso ständig auf Fehler hinweisen, wenn die Schüler diese selbst erkennen können?

Fazit:

Das Feedback meiner Schüler und die tolle Umsetzung meiner Anweisung waren ein sehr motivierender Einstieg für die Klasse und auch für mich als Lehrerin. Ich habe mir vorgenommen, das Projekt ohne Erwartungen zu starten, doch selbst diese wären übertroffen worden. Mir ist gleichzeitig bewusst, dass dies morgen wieder ganz anders sein kann, aber dieses Erfolgserlebnis war durchaus wichtig für uns.